Der Titel klingt schnulzig, umso peinlicher die Polit-Posse, die sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner seit einigen Monaten mit Deutschlands Hundetrainer Nummer 1, Martin Rütter, über die sozialen Medien liefert. Peinlich – für die Ministerin. Für alle anderen: Eine Inszenierung zweier Medienprofis, die sich Micky Beisenherz* nicht besser hätte einfallen lassen können. Aber die geilste Satire schreibt nun mal der tägliche Wahnsinn.**

Wobei die Wahl der Waffen, äh, Medien, äh, also Facebook und Instagram, genau die richtigen für besagte Gassi-Posse sind, wenn man beabsichtigt, maximale Aufmerksamkeit auf unausgegorene Gesetzesänderungen zu lenken. Martin Rütter jedenfalls nutzt selbstredend seine Reichweite und auch Julia Klöckner äußert sich in viral gehenden Videos sowie auf ihrem Facebook-Account zum Köter-Clinch.

Herrn Rütter kann‘s nur recht sein. Er hat die Meinungshoheit und Deutschlands Hundehalter*** hinter sich. Das kann nicht leugnen, wer auch nur einen kursorischen Blick über die Kommentarflut schweifen lässt, die inzwischen fast jede Publikation der Ministerin, egal worüber, auf ihrem Facebook-Auftritt begleitet.

Die Details des Schlagabtausches zwischen der einstigen Weinkönigin, die gerne mal ihre Mitarbeiter vorschickt, und der Vox-Allzweckwaffe für Unterhaltungsformate sollen hier nicht durchgekaut werden. Darum kümmert sich bereits die Tagespresse4*; dem Unwissenden seien allerdings die wesentlich unterhaltsameren Darstellungen von Herrn Rütter ans Herz gelegt.

Auch die Frage, wessen Version den Vorgängen, die sich abgespielt haben, am nächsten kommen dürfte, interessiert auf diesem Blog nicht. Am Rande sei nur vermerkt, Medienprofi Rütter hätte wohl kaum den großen Instagrhammer ausgepackt, wäre er sich seiner und der Wahrnehmung seines Medienreferenten nicht sicher.

Die causa Klöckner also. Wenn auch ursprünglich nicht beabsichtigt, ist man hier mittlerweile in den Niederungen des wechselseitigen „Dissens“ angekommen. Also Unterstellungen, Bezichtigungen usw. Kennt man sonst von YouTube. Dort erfreut Dissen vor allem prä- und postpubertäre und pubertierende Medienkonsumenten und ist Teil der YouTube-Unterhaltungskultur. Der Rütter-Klöckner-Dissens führt nun auch die Generation Ü30 ans mediale Format des Dissens heran, und die Zielgruppe geht dabei ab wie Rütters Border Collie! An dieser Stelle: Gute Besserung, Emma!

Martin Rütter ist mit Sicherheit nicht eines Morgens mit dem Vorsatz aufgestanden: „Och, heute trete ich mal einen Shitstorm gegen die Landwirtschaftsministerin los.“ Obwohl diese Reaktion in Anbetracht der ministerialen Überlegungen zur Hundehaltung eine nachvollziehbare gewesen wäre. Und soweit man weiß, hatte er durchaus geplant, sich nach Veröffentlichung der BMEL-Pläne dazu zu äußern, sein gutes Recht, hätte es da nicht … ja, hätte es da nicht eben jenen Anruf eines Mitarbeiters aus dem BMEL gegeben, der zum Ziel hatte, dem Martin einen Maulkorb zu verpassen.

Jener Mitarbeiter dürfte vermutlich dem freien Arbeitsmarkt inzwischen wieder zur Verfügung stehen. Der Begriff vom „Bauernopfer“ im Zusammenhang mit dem Bundeslandwirtschaftsministerin drängt sich da ganz ungezwungen auf.

Vielmehr wehrt sich der Mann, also Hundeprofi Martin Rütter, mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen, sich vom PR-Apparat der Ministerin instrumentalisieren zu lassen, und sein Ärger darüber, dass man offenbar geglaubt hat, dies auch erreichen zu können, ist verständlich.

Interessant wäre zu wissen, was die Kanzlerin über das Boulevardstück ihrer Ministerin denkt. Vermutlich gar nichts. Andere Kabinettsmitglieder verzapfen auch Bullshit. Fäkalstürme rauschen alle naselang über das Land hinweg. Also alles nur ein Sturm im Wassernapf? Naja, irgendwie …

Leider lässt das durchaus unterhaltsame Wechselspiel aus Darstellung und Gegendarstellung vergessen, worum es eigentlich hätte gehen sollen, hätte man ernsthaft erwogen, sich mit dem Hundeprofi – und vielleicht weiteren Experten wie Andreas Ohligschläger und Meike Maja Nowak – an einen Tisch zu setzen: eine ernsthafte Diskussion über Verbesserungen im Tierschutz, die dann auch bitteschön mal ernsthaft umgesetzt werden.

Ging es dem Ministerium mit seinen Vorschlägen überhaupt jemals um artgerechte Hundehaltung? Die Vorschläge, die gemacht wurden, lassen Zweifel aufkommen. Es ging zumindest nicht um das Einfordern von mehr Fachwissen bei Herrchen und Frauchen. Nicht um Tierwohl. Nie um das Hinterfragen unserer gesellschaftlichen wie persönlichen Einstellung zum Tier.5*

Vermutlich ging es von Anfang an um Krisen-PR und Wiederwahl. Um Karriere im Kabinett und ein lässig hingeworfenes Leckerchen. Um die Instrumentalisierung eines Influencers angesichts mieser Umfragewerte. Um hundeverrückte Wähler. Bei Hunden verstehen wir Deutschen nämlich überhaupt keinen Spaß. Bei anderen Tierschutzthemen hören wir dann auch gar nicht mehr so genau zu. Was dann der Wirtschaft in die Karten spielt. Die am Ende des Tages das Gehalt zahlt, wenn es heißt: Vom Ministerrat in den Aufsichtsrat.

Wwwwuufff! Der Hund mit der Karotte

*Mit der größten Hochachtung vor Ihrem Geist, Herr Beisenherz! Knicks!

**Welche Schlagzeile hat wohl die BILD-Zeitung verwendet? „Hundeprofi legt sich mit Ministerin an“ … ah, näää, zu langweilig, eher was für die WamS. Eher so: „Julia, hast du sie noch alle?“ … oder „Ministerin meldet sich aus der Gassi-Gosse“ oder „Mattin, zeig‘s ihr!“

***In jedem fünften deutschen Haushalt lebte 2020 mindestens ein Hund. 9,4 Millionen Hunde werden in Deutschland gehalten, und in der Pandemie erlebt der Deutschen zweitliebstes Haustier (nach der unangefochtenen Spitzenreiterin Katze) einen Aufschwung wie nie. Herr Rütter, es gibt viel zu tun!

https://www.extratipp.com/magazin/hund-hunde-zahlen-statistiken-deutschland-13237910.html

4*

https://www.derwesten.de/panorama/promi-tv/martin-ruetter-hundeprofi-instagram-julia-kloeckner-hund-vox-julia-kloeckner-bundeslandwirtschaftsministerium-id231604119.html

https://www.derwesten.de/panorama/promi-tv/martin-ruetter-hundeprofi-facebook-instagram-julia-kloeckner-cdu-hund-emma-die-welpen-kommen-id231689595.html

https://www.derwesten.de/panorama/promi-tv/martin-ruetter-hundeprofi-vox-ministerin-julia-kloeckner-streit-hundeverordnung-treffen-ministerin-cdu-instagram-id231733841.html

5*Warum fallen Hunde und ihre Haltung überhaupt in die Zuständigkeit des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft? Essen wir Hunde? Offiziell nicht. Wären nicht vielmehr die Schulministerien in der Verantwortung? Schließlich geht es um Erziehung und ihre Rahmenbedingungen im häuslichen Umfeld! Doch dies nur als unernste Randnotiz.

#rütter #klöckner #tierschutz #beisenherz #hundeprofi #bmel #bild #satire #politsatire #politposse

Accounts der Kontrahenten:

https://www.facebook.com/juliakloeckner

https://www.facebook.com/martin.ruetter

Kategorien: Beiträge